Serious Gaming – ernsthafte Spiele für den Unternehmenserfolg

technologie 27. Jan. 2022

Serious Games in Unternehmenskontexten ziehen in den letzten Jahren eine immer stärkere Aufmerksamkeit auf sich. Thematisch geht es bei ernsthaften Spielen um eine neue Art und Weise, sich spielerisch Lerninhalte anzueignen, die beispielsweise Unternehmen nutzen können, um MitarbeiterInnen zu schulen und weiterzubilden.

In diesem Blogartikel zeigen wir Ihnen nicht nur, was Serious Games sind und welche Vor- und Nachteile sie bieten, sondern Sie erfahren auch, welche Anwendungsgebiete es gibt und wie Sie Videospiele zur Wissensvermittlung nutzen können. Die Einsatzmöglichkeiten reichen dabei von Wirtschaftssimulatoren über Werbespiele bis hin zu Newsgames und Bildungsspielen.

Was sind Serious Games?

Der Begriff "Serious Games" beschreibt computergestützte Anwendungen, die nicht in erster Linie der Unterhaltung, sondern der Vermittlung von Bildung und Wissen dienen. Der Aspekt des Entertainments verschwindet dabei allerdings nicht gänzlich, sondern bleibt essentieller Bestandteil der Software, um die Motivation zum Informationserwerb aufrechtzuerhalten.

Ein historischer Beginn der ernsthaften Spiele lässt sich nur schwer datieren, doch bereits Mitte des 20. Jahrhunderts begann die Erprobung von Simulatoren, die beispielsweise in der Luftfahrtbranche Anwendung fanden. Im Jahr 1970 wurde dann mit der Veröffentlichung eines gleichnamigen Buchs von Clark C. Abt der Begriff des "Serious Games" geprägt, der seit den 2000er-Jahren immer stärkere Beachtung findet.

Auch der deutsche Computerspielpreis widmet Videospielen, die dem Lernen und der spielerischen Wissensvermittlung dienen, seit 2009 einen eigenen Preis. Die Abgrenzung von Anwendungen der Gamification mit nur wenigen spielerischen Elementen ist dabei allerdings nicht trennscharf gehalten, sodass auch Anwendungen prämiert werden können, die nicht genuin Teil der Computer- und Videospielwelt sind.

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Beispiele für ernsthafte Spiele

Die Einsatzmöglichkeiten von Serious Games sind in der Praxis sehr unterschiedlich. Je nach der Zielgruppe und den Ressourcen des Unternehmens können verschiedene Spielgenres sowie inhaltliche und mediale Vermittlungsarten und gewählt werden. Die Abgrenzung der verschiedenen Typen von Spielen, die wir im Folgenden vorstellen wollen, ist dabei nicht immer trennscharf, denn ein Werbespiel kann beispielsweise auch in Form einer Simulation angeboten werden.

Simulationen

Simulationen bilden den Kern der Serios Games, da sie nicht nur eine der ersten Anwendungsformen darstellen, sondern auch in vielen verschiedenen Branchen zur Vermittlung von Wissen eingesetzt werden. So eignen sich beispielsweise Flug- und Fahrsimulatoren, um angehende PilotInnen oder FahranfängerInnen an die Bedienung von Autos und Flugzeugen zu gewöhnen. Auch in der Gesundheitsbranche finden Serious Games Anwendung, um Ärzte für Operationen zu schulen oder KrankenpflegerInnen auf den Alltag in einer Klinik vorzubereiten.

Doch nicht nur in Bereichen, in denen Verantwortung für andere Menschen übernommen werden muss, kann eine Simulation der spielerischen Vermittlung wichtiger Inhalte dienen. Auch Fitnessspiele wie "Wii Fit" oder "Wii Sports" können zu sportlichen Leistungen in der virtuellen wie realen Welt anregen.

Die Einsatzbereiche von Simulatoren sind enorm vielfältig, da nahezu jeder Lebensaspekt mithilfe von Abstraktionen in ein Serious Game transferiert werden kann. Der enorme Erfolg auch im Bereich des privaten Gamings spricht dabei für die Begeisterung, die die spielerische Vermittlung von Lerninhalten in Verbindung mit Unterhaltungskomponenten erzielen kann.

So erfreuen sich Landwirtschafts-, LKW- oder Flugsimulatoren auch außerhalb des Unternehmenskontexts großer Beliebtheit und können eine Begeisterung für entsprechende berufliche Tätigkeitsfelder entfachen. Selbst die eigene Lebensführung kann mittlerweile in Form von Serious Games wie "Sims" erprobt werden.

PR- und Werbespiele

Die Begeisterung für Gaming – insbesondere bei jungen Zielgruppen – hat mittlerweile auch die Werbebranche als probates Mittel entdeckt, um Zugang zu potenziellen KäuferInnen oder MitarbeiterInnen zu finden. So ist beispielsweise das Spiel "TechForce" entwickelt worden, um SpielerInnen Ausbildungsberufe in der Metall- und Elektroindustrie vorzustellen.

Auch die Produktbewerbung von Unternehmen kann mithilfe von Serious Games erreicht, indem NutzerInnen Möbel oder Wandbeläge mithilfe von Augmented-Reality-Anwendungen im Kontext ihrer eigenen Einrichtung betrachten oder die Wirkung von Kosmetikprodukten virtuell austesten können. Durch die fortschreitende Digitalisierung findet eine Einflechtung virtueller Elemente in die reale Welt dabei immer häufiger statt. Es ist jedoch umstritten, ob der Einsatz solcher Programme tatsächlich unter Serious Gaming fällt oder eher als Branded Gaming beziehungsweise allgemein als Gamification bezeichnet werden sollte.

Serious Games als Werbeträger können jedoch auch zu stark vom Produkt entfernt sein und von der eigentlichen Botschaft ablenken, was das Spiel "Moorhuhn" unter Beweis stellt. Ursprünglich als Werbespiel für die schottische Whisky-Marke Johnnie Walker entwickelt, erlangte es in kurzer Zeit einen hohen popkulturellen Status mit einem großen Merchandising-Apparat, der die ursprüngliche Werbeaussage in den Hintergrund rücken ließ.

Newsgames und Bildungsspiele

Newsgames als eine Mischung von journalistischen Inhalten und Computerspielen vermitteln aktuelle Informationen über politische, wirtschaftlich und soziale Vorgänge, indem sie spielerisch über Problemlagen und ihre Hintergründe aufklären. So erfährt der Spieler in "Global Conflicts: Palestine" zum Beispiel mehr über die Konflikte im sogenannten Nahen Osten oder erlernt in "Orwell" einen kritischen Blick auf den modernen Überwachungsstaat.

Bildungsspiele beschäftigen sich in Abgrenzung dazu auch mit anderen Fachbereichen oder weniger aktuellen Themen. Im Schulkontext sind diese Anwendungen teils schon weit verbreitet, da sie einen anderen, interaktiveren Zugang zum klassischen Wissen aus Büchern liefern.

In Titeln der "Assassin's Creed"-Reihe erlaubt der Discovery Modus dem Spieler etwa, mit Persönlichkeiten aus der Antike zu kommunizieren oder die historischen Welten selbst frei zu erkunden, um mehr über Geschichte zu erfahren. "Through the Darkest of Times" hingegen bringt SchülerInnen die Arbeit im politischen Widerstand der 1930er-Jahre näher und sensibilisiert für Fragen des Extremismus.

Doch nicht nur in Schulen, sondern auch in Unternehmen kann die Vermittlung von Wissen durch Spiele nützlich sein, um Ressourcen zu schonen und Prozesse zu optimieren. Ein erfolgreiches Onboarding etwa kann mithilfe von Serious Games durchgeführt werden, um die anderen MitarbeiterInnen zu entlasten und die Vermittlung von Unternehmenswerten und-zielen unterhaltsam zu gestalten.

Das Serious Game in Ihrem Unternehmen

Wie bei allen anderen Spielen auch, sind der Kreativität bei der Entwicklung von Serious Games keine Grenzen gesetzt. So kann nahezu jede Abteilung von einem Training in der virtuellen Welt profitieren - sei es der Vertrieb, das Marketing oder die Geschäftsführung. So gibt es etwa Spiele wie "Pacific", die explizit die Fähigkeiten von Führungskräften schulen soll, indem Verantwortung für ein verunglücktes Team übernommen werden muss.

Auch kann der Einsatz gamifizierender Elemente wie Fortschrittsmessern bei der Erreichung von Unternehmenszielen die Einsatzbereitschaft und Motivation von MitarbeiterInnen fördern. Auch dieser Blogbeitrag wurde mit einem Tool geschrieben, das eine gelungene Struktur mit einem höheren Score belohnt und damit zur Verbesserung der eigenen Leistung anregt.

Erwägen Sie außerdem., Computerspiele für Werbebotschaften zu nutzen, um KundInnen für Ihre Produkte zu begeistern. Ein starker Bezug zum Unternehmen garantiert dabei, dass die Botschaft nicht unter dem Spaßfaktor leidet und Ihnen die Tür zu einer neuen Zielgruppe öffnen kann.

Vorteile von Serious Games

Die Vorteile ernsthafter Spiele liegen insbesondere in der Interaktivität und Anwendung von Wissen, das nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch vermittelt wird. ÄrztInnen können so zum Beispiel lernen, mit Stresssituationen umzugehen, ohne dass für Menschen eine tatsächliche Gefahr bestünde.

Insgesamt erlauben es Simulationen, Fehler zu machen, die im Anschluss keine negativen Konsequenzen nach sich ziehen. Dadurch können Unternehmen Schäden an Menschen und Material verhindern, ohne auf eine erfolgreiche Ausbildung von Fähigkeiten verzichten zu müssen. Das gilt nicht nur für technische Belange, sondern auch im Bereich der Human Ressources, in dem das Fehlverhalten von Führungskräften ebenfalls hohe Kosten verursachen kann.

Bei der Weiterbildung mit Serious Games unterliegen Unternehmen überdies weniger großen, räumlichen, sozialen oder finanziellen Ressourcen, da die Arbeit in einer digitalen Welt von jedem Mitarbeiter und nahezu überall ausgeführt werden kann. Bei Einführungen oder Onboardings, die immer wieder umgesetzt werden müssen, kann die einmalige Programmierung in ein Serious Game darüber hinaus auch Kosten und Kapazitäten schonen, indem bestimmte Aspekte automatisiert werden.

Die Probeumgebung ernsthafter Spiele ist außerdem ist Assessment Centern von Nutzen, wo sie eingesetzt werden kann, um bessere Eindrücke von BewerberInnen zu erhalten und vergleichbare Bedingungen zu schaffen. Das Ranking des Spiels erlaubt dabei eine objektivere Bewertung der KandidatInnen ohne von den subjektive Vorlieben der PersonalerInnen beeinflusst zu werden.

Aufgaben gemeinsam zu lösen, ist im Rahmen von Serious Games ebenfalls möglich, wodurch die Teambindung innerhalb des Unternehmens gesteigert werden kann. Kollegen, die wissen, dass sie sich im Spiel aufeinander verlassen können, bilden in der Regel auch in der Realität eine erfolgreiche Einheit.

Zuletzt kann sich auch die Ansprache anderer Lerntypen durch die Spiele vorteilhaft für Unternehmen auswirken. So können nicht nur MitarbeiterInnen angesprochen werden, die visuell lernen und einen Inhalt am besten mithilfe von Texten erfassen, sondern auch auditiv und haptisch veranlagte Personen. Sie können durch die Multimedialität der Spiele und das "Learning-by-Doing"-Konzept Herausforderungen besser bewältigen.

Nachteile von Serious Games

Der Einsatz von Serious Games kann für Unternehmen allerdings auch Nachteile haben, die insbesondere in den Kosten für eine Entwicklung des Spiels begründet liegen. Eine sich ständig verändernde Arbeitsumgebung mit neuen Programmen, KundInnen und Techniken sorgt dafür, dass viele Anwendungen nur eine geringe Halbwertszeit aufweisen und schnell vom Firmenalltag überholt werden. Auch die News Games sind dafür gute Beispiele.

Die Kosten für die Entwicklung lohnen sich auch in solchen Teams nicht, in denen die Bereitschaft zu einer technischen Veränderung nicht sehr hoch ist oder die MitarbeiterInnen generell eher zu den visuellen Lerntypen gehören, die von Serious Games nur einen geringen Vorteil haben. Die individuelle Zusammensetzung des Teams sollte deshalb vor einer Entwicklung Berücksichtigung finden.

Gleichzeitig verfremden Simulatoren die realen Umstände aber auch, sodass eine Vergleichbarkeit immer nur bedingt möglich ist. Ein gelungenes Training in der Praxis können sie in aller Regel (noch) nicht ersetzen.

Sind Serious Games das Lernen der Zukunft?

Obwohl die ersten Entwicklungen historisch schon weit zurückliegen, steht die flächendeckende Ausbreitung von Serious Games noch am Anfang. Es ist deshalb gegenwärtig nicht abzusehen, in welchen Kontexten das Lernen mit Spielen zukünftig stattfinden wird und welche unternehmerischen Möglichkeiten sich daraus ableiten lassen.

Die technischen Fortschritte – insbesondere im Bereich der Augmented-Reality – ermöglichen es Unternehmen jedoch zunehmend, am Trend zu partizipieren und mithilfe von Serious Gaming neue Lösungsstrategien zu finden. Es handelt sich deshalb um eine Richtung, die es im Auge zu behalten lohnt.

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